Nachruf

Hudtwalcker Shield

Carl Heinrich Hudtwalcker (1912 – 1991)

Carl Heinrich Hudtwalcker starb am Morgen des 23. Juni 1991 im schweizerischen Arlesheim im Alter von 79 Jahren. Er wurde am 25. Januar 1912 in Christiania (dem heutigen Oslo) als zweiter von drei Brüdern geboren. Seine Mutter, Sigrid Holm, war die Tochter eines norwegischen Pfarrers. Sein Vater, Heinrich C. Hudtwalcker, war Deutscher und hatte um die Wende zum 20. Jahrhundert den norwegischen Zweig des Familienunternehmens Hudtwalcker & Co. gegründet, das 1743 in Hamburg entstanden war und sich mit der Raffination und dem Export von Fischöl beschäftigte.

Obwohl Carl H. Hudtwalcker in Norwegen geboren wurde, wuchs er in Hamburg auf und promovierte später in Volkswirtschaftslehre an der Universität München. Im Jahr 1936 wurde er nach Norwegen entsandt, um die Leitung des dortigen Familienunternehmens zu übernehmen, und blieb fortan in Norwegen ansässig.

Am 17. Mai 1939, dem norwegischen Verfassungstag, begegnete er seiner Merete. Die Kriegsjahre waren für beide eine schwere Zeit. Sein Herz schlug für Norwegen – eine Verbundenheit, die sich nicht nur in Worten, sondern auch in seinem Handeln zeigte. Die Liebe zwischen ihm und Merete trug sie durch alle Schwierigkeiten. Am 10. Oktober 1946 heirateten sie. Ihr Sohn John Michael wurde 1954 geboren.

Carl H. Hudtwalcker war ein außergewöhnlicher Industrieller und Unternehmer. Seine Interessen und Tätigkeitsfelder reichten weit über das hinaus, was man gewöhnlich mit Wirtschaft und Geschäftsleben verbindet. Er war ein großer Kunstliebhaber und mit mehreren Künstlern befreundet, darunter Rolf Nesch und Olaf Strømme. Durch seinen Vater lernte er auch Edvard Munch kennen. Er veröffentlichte einst den Roman Die Septemberinsel, und seit frühester Jugend bewahrte er eine tiefe Liebe zu den Bergen. Bis in seine späteren Jahre unternahm er Wanderungen in der norwegischen Bergwelt. Doch seine Reisen beschränkten sich nicht auf das norwegische Landesinnere. Gemeinsam mit seiner Familie war Carl H. Hudtwalcker häufig in aller Welt unterwegs.

Ich kannte ihn nur während der letzten zwanzig Jahre seines Lebens. In dieser Zeit erlebte ich ihn als einen besonnenen, zugleich humorvollen Menschen, der die Kunst des Beobachtens, des Erzählens und des Zuhörens beherrschte. Im Alltag verbanden sich in ihm jene Eigenschaften, die das Leben ihn hatte lernen und entwickeln lassen: der Sinn des Unternehmers für das Wesentliche, ein Weitblick, der wie aus den Hochgebirgen geboren schien, und ein humorvoller, zugleich präziser Blick für die Einzelheiten des täglichen Lebens, wie ihn der Künstler besitzt.

Ich glaube, dass dieselben Fähigkeiten ihm auch die Kraft gaben, die schmerzhafte Krankheit zu ertragen, die ihn vor etwas mehr als drei Jahren so plötzlich traf.

Bis zuletzt blieb Carl H. Hudtwalcker lebhaft an politischen und kulturellen Ereignissen seiner Zeit interessiert. Seine Haltung wirkte auf die Menschen um ihn herum ermutigend und lebensbejahend. Im Zusammenhang mit seiner Behandlung begann er im Alter von 77 Jahren eine völlig neue „Karriere“: Er wandte sich der Malerei und der Eurythmie zu – beides Tätigkeiten, die ihm Freude bereiteten und ihn zutiefst beschäftigten.

Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte er im Krankenhaus in Arlesheim. Dort ging sein Leben zu Ende, in jener Verbindung zwischen der deutschsprachigen und der norwegischen Welt, die sein eigenes Leben in vieler Hinsicht geprägt hatte.

Peter Normann Waage

Aftenposten, 31. Juli 1991

Originaltext auf Norwegisch veröffentlicht im Jahr 2019

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