Morgen Meine Frau

An Mademoiselle Elisabeth Moller

Dann so dacht’ ichs mir einst – wann
Nun der heisseste Wunsch
Meines Herzens erfüllt, und Sie
Mein ist!
Wird die Leier von selbst t¨nen gefühlten
Gesang,
Begeistrung der Liebe zum Dichter mich weihn,
Wenig kannt’ ich sie da, sie, deren hohes Ernst zücken
Nur zur empfinden, zu singen nicht ist,
Empfunden, höheres Glück, als wenn dem feurigen
Jüngling
Reissend das Bild der Unsterblichkeit strahlt!
Du, Schöpferin dieses Glücks! Die so mich beseligt,
Dass mir Unsterblichkeit Kinderspiel scheint,

Its nicht auf höherer Ruhm, von Dir, und so geliebt sein,
Als mit dem Lorbeer der Nachwelt bekränst?
Nun – so dacht’ ichs mir nie – ist nur der
Eine Gedanke;
Ich dein! Du mein! und glücklich und ewig!
Gedacht zu werden mir wehrt, mein grösster
Ruhm,
Zu fühlen: dass ich geliebt bin wie Du!
Nichts weiter. Mein Herz ist zu voll. Komm gieb die Hand mir,
Mit Dir zu wandeln den Weg, den Liebe
Beschattet und ebnet, auf dem heut mein Vater
Sich setzt, und frolockt uns nachkommen zu sehn.
Wenn wir einsst, wie Er – ich schweige, sehe zum Himmel
Und Bete – Wärs auch des Glückes zu viel? –

Du brückst mir die Hand? – Wohlan! So will ich dann Ringen:
Des grössten Glückes würdig zu sein!

Johann Michael Hudtwalcker
Hamburg, 21. Juni 1775

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